Das Projekt

Jugendmigrationsrat (JuMigRa) Internationaler – interdisziplinärer Zusammenschluss von Expert/-innen und Jugendlichen

Die unabsehbaren Folgen des arabischen Frühlings

Im Winter 2010 beginnt in Tunesien die epochale Veränderung der arabischen Welt. Aufstände, Revolutionen mit unkalkulierbaren Folgen breiten sich südlich des Mittelmeers aus, und sorgen für völlig neue gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Problemlagen in der Region. Eine der auffälligsten Entwicklungen im Zuge dieser zum Teil sehr gewaltigen Umwälzungen ist die verstärkte Jugendmigration aus den Maghreb-Staaten nach Europa. Die spektakulären Bilder aus Lampedusa sind dabei nur die medienwirksame Seite einer äußerst komplexen Problematik, deren Entwicklung völlig unabsehbar  bleibt. Eine Prognose gilt dabei allerdings als sicher und wird von allen gegenwärtigen politologischen, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Analysen bestätigt: die transnationale Jugendmigration in Richtung Norden wird in den nächsten Jahren zunehmen, und im selben Maße auch die damit verbundenen Herausforderungen in den betroffenen Ländern.

Die Jugendmigrationsbewegungen

Die zu erwartende und auch jetzt schon existierende Jugendmigration findet sowohl geregelt als auch unkontrolliert statt; in beiden Fällen bedarf es adäquater Ansätze, um einerseits mit Präventivmaßnahmen menschenunwürdige und gefährliche Situationen für die migrierenden Jugendlichen zu vermeiden, anderseits, um für sie Integrationsprozesse in win-win-Perspektiven sowohl in den Herkunfts- als auch in den Zielländern in Gang zu setzen. Partizipative Ansätze können dabei sehr erfolgsversprechend wirken. Einfache Lösungen kann es nicht geben. Jedweder Lösungsansatz muss die verschiedensten Aspekte in den Blick nehmen und berücksichtigen. Wenn überhaupt kann dies ein internationales und interdisziplinäres Netzwerk aus Experten aller betroffenen Länder leisten.

Der Jugendmigrationsrat (JuMigRa)

Aus diesen Überlegungen heraus entstand unter der Federführung des Stuttgarter Stadtjugendrings das Projekt Jugendmigrationsrat, finanziert aus Mitteln des europäischen Integrationsfonds und in Kooperation mit Kreis- und Stadtjugendringen der Region Stuttgart und dem Stadtjugendring Bochum e.V.  aufgebaut.

Der Jugendmigrationsrat gliedert sich in einen Expertenrat und ein Jugendforum. Der Expertenrat setzt sich mit Akteuren aus dem Bereich der Jugendmigrationsarbeit bzw. Jugendarbeit mit Erfahrungen in Bezug auf Nordafrika zusammen. Die Mitglieder des Expertenrates kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen, praktischen, kulturellen und politischen Horizonten. Sie stammen aus Deutschland, Marokko, Tunesien, Ägypten, Italien, Frankreich und Spanien. Aus denselben Ländern kommen die jugendlichen Mitglieder des Jugendforums. Sie haben Erfahrungen mit Fragestellungen der Jugendmigration, bringen in den Diskursen des Jugendmigrationsrates den für Jugendlichen eigenen Blick und sorgen für die subjektive Perspektive.

Der Expertenrat

22 Frauen und Männer mit fundierten theoretischen und praktischen Erfahrungen im Themenkomplex Jugendmigration aus Nordafrika beobachten die Entwicklungen auf beiden Seiten des Mittelmeers, informieren sich gegenseitig, vernetzen sich, entwickeln und diskutieren gemeinsam Strategien und Lösungen zu den Herausforderungen der Jugendmigration. Dazu gehören ein kontinuierlicher, offener und unparteiischer Informations- und Erfahrungsaustausch, das Wissen über die Arbeitsweise, den Wirkungsbereich und die Ressourcen der Partnerorganisationen, die Dokumentation der jeweils eigenständigen  und der gemeinsamen Arbeit und das Zugänglich machen aller Informationen. Zwei Aufgaben des Expertenrates nehmen im Projekt Jugendmigrationsrate eine zentrale Stellung ein: Die Förderung der politischen, zivilgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe von Jugendlichen in den am Projekt beteiligten Städten in Nordafrika, und das Erarbeiten und Formulieren von Handlungsempfehlungen und Handreichungen für die Politik und die Praxis.

Das Jugendforum

Um dem subjektiven Blick der Jugend gerecht zu werden, findet parallel zum Expertenrat ein Jugendforum mit Jugendlichen aus den beteiligten Ländern statt. Beide Gremien tauschen kontinuierlich Informationen und Erfahrungen über die Entwicklungen im Bereich der Jugendmigration und arbeiten bei der Realisierung einzelner Projekten eng zusammen. Darüber hinaus hilft das Jugendforum beim Austausch zu Lebensrealitäten der Jugendlichen aus den beteiligten Städten. Es fördert interkulturelle Lernprozesse unter den Jugendlichen, sensibilisiert für die unterschiedlichen Facetten der Jugendmigration in Europa und realisiert mit Unterstützung des Expertenrates ganz konkrete Projekte im Rahmen des Gesamtprojektes Jugendmigrationsrat.

Arbeitsformen

Über die Internetplattform www.jugendmigrationsrat.de findet ein kontinuierlicher Austausch statt.  Jährlich finden drei Treffen statt: ein Expertentreffen für alle beteiligten Länder und, parallel dazu, ein Jugendforum wegen der notwendigen Verzahnung. Desweiteren gibt es für die in Deutschland tätigen Experten die Möglichkeit, sich während eines Netzwerktreffens abzustimmen. Der Stadtjugendring Stuttgarter sorgt für die Dokumentation und die Auswertung der im Projekterreichten Schritte.

Bisherige Treffen

  • Netzwerktreffen: September 2012 / Juli 2013
  • Erstes Expertentreffen und Jugendforum in Stuttgart: November 2012
  • Zweites Expertentreffen und Jugendforum in Hattingen / Ruhr: November 2013

Nächste Schritte

  • Netzwerktreffen: Sommer 2014
  • Letztes Expertentreffen mit Jugendforum: November 2014

Stuttgart, Januar 2014