Expertentreffen 2013

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Zusammenfassung der Ergebnisse des zweiten internationalen und interdisziplinären Expertentreffens 2013

26 Expertinnen und Experten aus 7 Ländern diskutierten beim zweiten Expertentreffen über gezielte Formen der Willkommenskultur für junge Migranten und deren sozialen Isolation.

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse des Expertenrates zusammengefasst. Diese sind in drei Arbeitsgruppen entstanden, die dieselben Fragen zu beantworten hatten, welche als  Vorbereitung schon den Experten vorab gesendet wurden. Diese Fragen waren:

(1)    Was können wir für junge Migranten, vor allem Flüchtlinge in Deutschland tun,

  •  um gezielte Formen der Willkommenskultur gegen ihre soziale Isolation zu entwickeln – einer  Isolation, die zu gravierenden psychische Belastungen und häufig zu abweichendem Verhalten führt,
  • um ihnen hier zu einer geregelten Arbeit zu verhelfen –meistens der einzige Weg, die Würde wiederherzustellen,
  • um die Bedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern – damit der Auswanderungsdruck für junge Leute reduziert wird.

(2)    Mit welchen konkreten Beiträgen bei der Arbeit der jeweilige Institutionen und Organisationen können die Handlungsempfehlungen unterstützt werden?

(3)    Welche Visionen könnten sonst einen realistischen Charakter für die zukünftige Arbeit mit jungen Migranten annehmen?

Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen

In den Arbeitsgruppen fanden die Erörterungen vor dem Hintergrund  eines ethischen und politischen Begründungszusammenhangs statt, der die entstandenen praktischen Konsequenzen zum Thema Jugendmigration und die nächsten Schritte für das Projekt erklärt. Für die Besprechung sämtlicher Fragen hat leider die Zeit nicht gereicht, und so wurden die Hauptfragen II und II zum Teil leider nur gestreift.

Die Diskussionen in den Arbeitsgruppen drehten sich um die ethnischen Aspekte (Würde / Anerkennung / Rassismus / Aufklärung) in der Migrationspolitik. An dieser Stelle werden zwei ethnische Aspekte hervorgehoben (weitere ethnische Aspekte finden sie hier):

Würde: Um von unredlichen, bloß sozialtechnischen Lösungsansätzen im Zusammenhang mit Themen der Jugendmigration weg zu kommen, muss dringend die Würde als Wert ins Zentrum aller Überlegungen gerückt werden.

Wider den defizitären Blick: Junge Migrant/innen sollen nicht nur als Adressaten der Fürsorge, sondern als vollwertige Akteure der Gesellschaft betrachtet werden. Erst diese Betrachtungsweise ist würdevoll und anerkennend.

Zwei Grundsatzfragen der Migrationspolitik

Die Arbeitsgruppen diskutierten im Anschluss über zwei Grundsatzfragen der Migrationspolitik:

  1. Welche Maßnahmen in der Praxis müssen wahrgenommen und kreativ umgesetzt werden, um gegen die soziale Isolation von jungen Migranten bzw. Flüchtlinge vorgehen zu können?
  2. Welche Hürden müssen beseitigt, oder zumindest herabgesetzt werden um den Zugang zu einer geregelten Arbeit zu erleichtern?

Ansätze für die Praxis

Gegen die soziale Isolation: dieses Problem kann nur auf unterschiedliche Ebenen angegangen werden. Die Palette der möglichen Maßnahmen ist breit, und in der Praxis entstehen immer wieder ungeahnte spezifische Wege, die nicht beliebig wiederholt und übertragen werden können. Darum gilt es, in der Praxis die potentiellen Möglichkeiten wahrzunehmen und kreativ umzusetzen. Allgemein gilt dabei:

  • Der Zugang zu formellen und informellen Bildungsprozessen ermöglicht sowohl das Erlernen der Sprache als auch eine schnellere Integration in die Gesellschaft.
  • Jungen Migrant/innen sollte eine Perspektive aufgezeigt werden, die ihnen einen festen Platz im Gastland ermöglicht.
  • weitere Möglichkeiten finden sie hier

Zugang zu einer geregelten Arbeit: Die größte Anerkennung und Akzeptanz genießen Menschen, die in einem geregelten Arbeitsverhältnis stehen. Aus diesem Grunde ist der Zugang zu einem geregelten Arbeitsverhältnis für jungen Migrant/innen von zentraler Bedeutung. In der Regel war dies für viele von Ihnen auch der Grund für die  Migration. Dafür sollten einige hohe Hürden beseitigt, oder zumindest herabgesetzt werden:

  • Aufhebung des Arbeitsverbots
  • Unverzügliche Vergabe eines befristeten Aufenthaltsstatus
  • weitere Forderungen finden sie hier

Weitere Überlegungen

Aus den Arbeitsgruppen wurden darüber hinaus noch weitere interessante Anregungen formuliert. So wird die Bildung und Pflege lokaler Netzwerke als ein weiterer Schlüssel zum Erfolg gesehen, um Probleme der sozialen Isolation zu begegnen. Auch muss die Rolle der Gewerkschaften in Zusammenhang mit der Frage der Jugendmigration stärker hinterfrage werden.